Die Entwicklung der Kleingärten nach dem Ersten Weltkrieg in der Weimarer Republik

 

Chemnitz wird Deutschlands Kleingartenstadt

Ausschlaggebend für diese Entwicklung waren die Lebensbedingungen in der Großstadt mit ihren physischen und psychischen Auswirkungen auf die Menschen. In Chemnitz war ein Gesamtbedarf von 23.000 Kleingärten ermittelt worden. Die Bereitstellung von Land, die Nutzung eines solch kleinen Stückchens Erde und die damit verbundenen Mühen und Auseinandersetzungen mit den Besitzern des Bodens, Spekulanten und Verwaltungen waren von Einzelkämpfern nicht zu meistern. Nur in der Gemeinschaft konnten die gewünschten Erfolge erreicht werden. Es schlug die Stunde für aktive und starke Verbände. Hier leistete Oberregierungsrat Dr. Walter Oertel 1919 einen wichtigen Beitrag, indem er den Zusammenschluss der Chemnitzer Kleingärtnervereine zum Verband herbeiführte. Er erkannte frühzeitig den Beitrag des Kleingartens zur Gesundung der Bevölkerung.

Geschichtlicher Überblick

  • 24. März 1919: Vorbereitende Sitzung zur Gründung des
          "Verbandes der Kleingartenvereine in Chemnitz und Umgebung" :

1. Satzung
1. Vorstand
Gründungsvereine
Dr. Oertel

  • 16. Juli 1919: Die Stadtverwaltung teilt mit, dass die Entwicklung der Kleingartenanlagen in die Bebauungsplanung der Stadt Chemnitz einbezogen wird.

  • 31. Juli 1919: Die verfassungsgebende Deutsche Nationalversammlung beschließt die Kleingarten- und Kleinpachtlandordnung, die eine wichtige Phase der Entwicklung des gemeinnützigen Kleingartenwesens in Deutschland einleitete und sichern half   (Reichsgesetzblatt Jahrgang 1919, Nr.150: "Kleingarten- und Kleinpachtlandordnung").

  • 1. April 1922: Beim Grundstücksamt der Stadt Chemnitz wird die Abteilung "Kleingarten- und Landbewirtschaftung" gegründet. (Leitung: Leopold Wassermann). Vorausgegangen waren Petitionen und Forderungen des Chemnitzer Kleingärtnerverbandes zur Bildung von "Kleingartenämtern".

    Wassermann-Laube aus dem KGV "Kirschbaum" e.V. (Originalzustand)"
    Bauplan einer "Wassermann-Laube" (900 KB). Die vollständige Sammelmappe ist beim Stadtverband Chemnitz einsehbar.

  • 1923: Der "Verband der Kleingartenvereine in Chemnitz und Umgebung" tritt mit 95 Vereinen und 6.400 Mitgliedern dem "Landesverband Sachsen der Schreber- und Gartenvereine" bei. Gliederung des LV Sachsen 1923

  • 6. - 8. Oktober 1923: 1. öffentliche Ausstellung des "Verbandes der Kleingartenvereine in Chemnitz und Umgebung".

  • Im Jahr 1929: Chemnitz ist mit 107 Kleingärtnervereinen und 13.000 Parzellen eine anerkannte "Kleingartenstadt" in Deutschland.

    1. Sächsischer Kleingartentag in Chemnitz - ein Schrebergarten-Werbetag.
    Es existieren 20 Dauer-Kleingartenanlagen.
  • Kleingärtnern in dieser Zeit

  • Bis 1932: werden weitere 135 Kleingartenanlagen gegründet, wovon heute noch 78 existieren.
    Chemnitzer Kleingartenvereine, gegründet von 1919 - 1932